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Falsche Facetten bei der Online-CDU

30. Mai 2009 | Wahlkampf | Ein Kommentar

Der Relaunch von CDU.de weckte bei vielen Hoffnungen. Der Druck war hoch, denn immerhin hatte die SPD.de eine enorme Aufmerksamkeit verursacht. Zeitweise verkraftete der Server sogar nicht mehr den Ansturm der über 1. Million Besucher am ersten Tag. Allerdings bekam man schnell den Eindruck, dass die Union sich sehr von der neuen SPD-Seite inspirieren hat lassen. Zumindest vordergründig bleibt dieser Eindruck auch bestehen.

cdu-de
Die Startseite von CDU.de ist momentan die so genannte “Kampagnenseite”. Hier tummeln sich neben den üblichen Videos, auch die üblichen externen Verlinkungen und die üblichen Artikel ohne Kommentarfunktion. Die sind offenbar so “geliebt”, dass sie nicht einmal einen Titel im Browser verdienen. Da kann man sich das Indexieren bei Google eigentlich gleich sparen. Einige Navigationspunkte verweisen auch direkt auf die altbackene CDU.de Präsenz. Ob dies auf die Politik zurückzuführen ist? Wir präsentieren nette Facetten, aber einen zweiten Blick sollte der Wähler besser nicht riskieren?

Ähnlich schaut es beim viel beworbenen YouTube-Kanal aus. Auf den ersten Blick hui, aber der zweite entlockt nur Enttäuschung. Das Design wird auch hier nicht konsequent umgesetzt und so verliert man sich schnell wieder im YouTube-Kosmos.

mitmachen

In 140 Zeichen kann man seinen Wunsch für Europa abschicken. Dieser Tweet Wunsch wird dann dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, überreicht. Eine nette Idee, aber andererseits bekommt die Union in einem Video es nicht innerhalb von mehr als fünf Minuten hin, die Aufgaben des Europäischen Parlaments zu erklären, aber vom Bürger wird offensichtlich erwartet seine Wünsche auf 140 Zeichen zu begrenzen? Da entsteht der Eindruck im Brainstorming wurde Bullshit-Bingo mit Begriffen gespielt und geschaut was für Paarungen entstehen. Auch hier fehlt einem die wirkliche Möglichkeit zur Bürgerpartizipation.

team2009
Auch die CDU hat natürlich ihr eigenes Social Network: teAM 2009 nennt es sich und auch hier wird direkt mit dem Namen deutlich gemacht, dass die Plattform das Jahr 2009 wohl nicht überleben wird. Dazu kommt noch das grosse AM im Namen, welches für Angela Merkel steht. Somit ist die Plattform direkt auf eine einzelne Person festlegt. Richtig Web 2.0 ist allerdings das “Beta” über dem Logo. Das schliesst an viele Traditionen von Startups an, passt aber leider nicht so richtig zu einer Kampagnenseite im laufenden Wahlkampf.

Vor einigen Tagen gab es über das teAM2009 allerdings einige Aufregung, denn offensichtlich ist sogar die Registrierung per Postkarte möglich, um die Mitgliederzahlen schnell in die Höhe zu treiben. Das teAM2009 wehrt sich natürlich gegen die Vorwürfe und kämpft “mit offenem Visier“. Leider nicht ohne eine Spitze in Richtung des SPD-Wahlkampfteam zu veröffentlichen. Die hätten ja schliesslich angefangen.

Weder will der Bürger mitbekommen das Mitgliederzahlen gepusht werden, noch das irgendwo Kommentare mit falscher Identität bzw. Parteizugehörigkeit abgegeben werden. Egal wer damit angefangen hat, denn so was hören wir momentan von deutschen Grossunternehmen genug und hat in einem Wahlkampf nichts zu suchen.

suche
Das Social Network selbst macht auf den ersten Eindruck eine gute Figur. Man kann Freunde hinzufügen, Gruppen und Foto-Alben anlegen und ein kaum genutztes Forum gibt es auch. Der Ansatz andere Mitglieder nach Postleitzahl suchen zu können ist nett, aber erst einmal muss man diese Funktion überhaupt finden und dann entpuppt sich das als ziemlich suboptimal. In Zeiten der vierstelligen Postleitzahlen wäre das noch effektiv gewesen, aber seit wir fünfstellige PLZ haben, gibt es schon in einer kleinen Stadt eine Vielzahl an Möglichkeiten. Auch lässt sich offenbar nicht nach fremden PLZ suchen. Bei meiner Postleitzahl finden sich so, bis auf eine Ausnahme, leider nur Fake-User. Auch die Suche nach Braunschweig lässt mich leider nicht weiterkommen.

Ansonsten ist es halt wieder mal ein Social Network im Internet mehr. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, jedoch wäre mehr Mut bei der Implementierung von Tools zur Mobilisierung und Aktivierung einzelner Mitgliedergruppen wünschenswert. Gerade die Termine in der Nähe sollten Einzug ins Netzwerk erhalten. Beim teAM Deutschland gibt es leider nur die typische Auflistung nach Zeitraum, aber um Mitglieder und Interessierte zu mobilisieren bedarf es einer besseren Verknüpfung zwischen dem eigenen Profil und den Veranstaltungen in der nahen Umgebung.

Auch wenn die CDU einige interessante Ansätze hat, ist die Umsetzung irgendwie wirklich noch in seiner eigenen Art und Weise “beta”. Einfach die alte Seite im Hintergrund weiterlaufen zu lassen ist verwirrend und wenig konsequent.

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